1 Flashcards

(43 cards)

1
Q

Wie war die wirtschaftliche und soziale Lage in der Schweiz während des Ersten Weltkriegs?

A

Die Schweiz war vom Krieg umschlossen, was zu teurer und knapper Ware führte. Es gab keine kriegswirtschaftlichen Massnahmen wie sanktionierte Lebensmittel. Es kam zu Lohnverlust, und Soldaten erhielten keine Verdienstausfallsentschädigungen, was zu schlechten Verhältnissen und gewaltsamen Demonstrationen führte. Im Sommer 1918 benötigte ein Sechstel der Bevölkerung Nothilfe.

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2
Q

Wie reagierte der Bundesrat auf die schlechten Verhältnisse?

A

Der Bundesrat kümmerte sich nicht und bezog die Arbeiterpartei und Gewerkschaften, die um substanzielle Hilfe baten, nicht in kriegswirtschaftliche Entscheidungsabläufe ein.

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3
Q

Welche Organisation wurde 1918 gegründet und welche Forderungen stellte sie?

A

Das Oltener Aktionskomitee (OAK) wurde 1918 gegründet. Es war das Führungsgremium der Arbeiterschaft, bestehend aus SP und Gewerkschaftlern, unter der Leitung von Robert Grimm. Es forderte u.a. die Rationierung von Lebensmitteln und eine aktive Preis- und Lohnpolitik.

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4
Q

Was forcierte die Streikbewegung in der Schweiz zusätzlich?

A

Die kommunistische Bewegung und Entwicklungen der Schweiz wurden geprägt, und das OAK wurde auch von aussen forciert. Dies geschah im Kontext der Novemberrevolution im Deutschen Reich und Lenins Präsenz in Russland.

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5
Q

Wie reagierte die Politik auf die zunehmenden Streiks?

A

Armeechef Ulrich Wille zog 95.000 Soldaten aus dem Land in die Städte ein, wo der Streik hauptsächlich stattfinden sollte, was von der Arbeiterschaft als Provokation angesehen wurde.

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6
Q

Wann fand der Generalstreik statt und wann wurde er zum unbefristeten, landesweiten Generalstreik proklamiert?

A

Am 9. November 1918 fand ein Generalstreik in 19 Städten statt, gefolgt von ergebnislosen Verhandlungen mit dem Bundesrat. Das OAK proklamierte daraufhin für den 12. November den unbefristeten, landesweiten Generalstreik.

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7
Q

Wann beschloss das OAK den Streikabbruch?

A

Das OAK beschloss am 14. November den Streikabbruch für Mitternacht, nachdem der Bundesrat ultimativ den bedingungslosen Streikabbruch verlangt hatte.

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8
Q

Welche konkreten Forderungen des Landesstreiks wurden erfüllt?

A

Nur zwei Forderungen wurden konkret erfüllt: die Neuwahl des Nationalrats nach Proporzwahlrecht (was zur Verdoppelung der Sitzzahl der Sozialdemokraten führte) und die Einführung der 48-Stunden-Woche.

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9
Q

Welche langfristigen Folgen hatte der Landesstreik für die Arbeiterschaft?

A

Obwohl der Landesstreik einer Niederlage gleichkam, ging die Arbeiterschaft langfristig gestärkt daraus hervor, da sie vermehrt in politische Entscheidungsprozesse einbezogen wurde (‘Stichwort «Feeling»>).

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10
Q

Welches Ereignis war für Alltag und Leben einschneidender als der Landesstreik und das Kriegsende?

A

Die ‘Spanische Grippe’ war von einschneidender Bedeutung, mit 25.000 Opfern in der Schweiz.

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11
Q

Welche wichtige politische Reform wurde 1918 eingeführt?

A

Das Proporzwahlrecht wurde eingeführt, wodurch kleine Parteien eine Chance hatten und Pluralität im Staat gewährleistet war.

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12
Q

In welche Richtungen spaltete sich das ‘Bürgerliche Lager’ in der Zwischenkriegszeit?

A

Es hatte drei Richtungen: 1. Der Reformflügel (liberalistisch, für Frauenstimmrecht und Völkerbunds-Mitgliedschaft). 2. Der Rechtsfreisinn (gegen Linke, Sozialismus, Arbeitsrecht). 3. Die Katholisch-Konservativen (gegen Liberalismus und Sozialismus).

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13
Q

Wie entwickelte sich die Wirtschaft in den 1920er Jahren?

A

Um 1920 war der Franken relativ stark, was zu wenig Absatz im Ausland führte. Die Inflation in der Weimarer Republik erschwerte die Lage. Zwischen 1923 und 1929 besserte sich die Situation.

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14
Q

Welche Folgen hatte die Weltwirtschaftskrise von 1929 für die Schweiz?

A

Die Export- und Importwirtschaft brach ein, Löhne sanken, und Preise stiegen. Die Lage war prekär, da es keine Arbeitslosenversicherung gab.

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15
Q

Welche Massnahme ergriff der Bundesrat zur Sicherung des Frankens während der Krise?

A

Der Bundesrat versuchte, den Franken an Gold zu binden (Goldparität).

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16
Q

Was ist Korporatismus und wogegen richtete er sich?

A

Der Korporatismus war eine Bewegung gegen Liberalismus und Sozialismus, die einen ‘dritten Weg’ zwischen ungezügeltem Kapitalismus und Sozialismus suchte. Er fand sie in der Organisation der Berufe (Modernisierung der Zünfte) und war teilweise mit faschistischen Ideen verbunden.

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17
Q

Wie war der Faschismus in der Schweiz vertreten und wogegen richtete er sich?

A

Er war durch die sog. Fronten vertreten. Sie waren gegen das kapitalistische System, Kommunismus und Sozialismus, und antisemitistisch eingestellt.

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18
Q

Warum blieben die Frontenbewegungen in der Schweiz klein?

A

Sie blieben klein, da die Arbeiter unzugänglich waren und die Bewegung im Widerspruch zum Föderalismus, der Demokratie und der Willensnation stand (wobei die Rassenlehre paradox wäre).

19
Q

Wie reagierte die Politik auf den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland (‘Burgfrieden’)?

A

Die Parteien näherten sich an. Die Linken wurden gemässigter, befürworteten die Armee und wollten die Demokratie erhalten.

20
Q

Was besagt das ‘Friedensabkommen’ von 1937?

A

Das Abkommen zwischen Arbeitsgeber und -nehmer führte zur Sozialpartnerschaft (ohne staatliche Beteiligung), was zur Integration der Arbeiterschicht gesehen wurde.

21
Q

Welche Aspekte umfasste die ‘geistige Landesverteidigung’?

A

Sie hob das Existenzrecht und die Werte der Schweiz hervor, wie Föderalismus, Demokratie, Mehrsprachigkeit, die Besinnung auf Wilhelm Tell und den bäuerlich-alpinen Kern, als Gegenideologie zum Faschismus.

22
Q

Was war die ‘Landi’ von 1939?

A

Die Landesausstellung, die die Vorzüge der Schweiz gegenüber allem Fremden betonte und Teil der geistigen Landesverteidigung war.

23
Q

Was besagte die Lex Häberlin und wie wurde sie entschieden?

A

Bundesrat Häberlin versuchte 1922 und 1934, der Landesregierung ein Ausnahmerecht zu verschaffen (z.B. Massenveranstaltungen niederschlagen). Die antidemokratischen Ideen wurden beide Male vom Stimmvolk abgelehnt.

24
Q

Was war der Sonderstatus der Schweiz bei Gründung des Völkerbundes 1919?

A

Die Schweiz hatte einen Sonderstatus der absoluten (integralen) Neutralität (seit 1848).

25
Was änderte sich an der Schweizer Neutralität 1920?
Die Schweiz vertrat die differenzierte Neutralität, welche nichtmilitärische (wirtschaftliche) Sanktionen als legitim ansah.
26
Warum wurde die differenzierte Neutralität später aufgegeben?
Nach dem Angriff Italiens auf Äthiopien verweigerte der Bundesrat die vom Völkerbund ergriffenen Wirtschaftssanktionen gegen Italien. Die differenzierte Neutralität wurde aufgehoben, aber die Schweiz blieb mit einem erweiterten, besonderen Status im Völkerbund.
27
Wie reagierte die Schweiz auf die Bedrohung durch Hitler nach der Angliederung Österreichs 1938?
Die Schweiz lehnte die Rechtsbrüche ab, verfolgte aber eine Politik der Behutsamkeit (keine extra laute Kritik gegenüber Deutschland).
28
Was war der Vollmachtsbeschluss vom September 1939?
Erlaubte dem Bundesrat, über seine Kompetenz hinaus zu bestimmen.
29
Wer war der General der Schweizer Armee und was waren seine Handlungen?
General Henri Guisan. Er verhandelte eigenständig mit Frankreich, was zu Fragen eines Neutralitätsbruchs führte (wurde aber als Volksheld gesehen). Er eröffnete 1940 den Réduitplan.
30
Was besagte der Réduitplan von 1940?
Die Idee war die Verkleinerung des Verteidigungsraums durch den Bau eines Bunkersystems in den Bergen, womit das Mittelland und der Jura aufgegeben wurden.
31
Was war die 'Fünfte Kolonne' in der Schweiz?
Deutsche Staatsbürger in der Schweiz, die im Kriegsfall die Schweiz von innen gefährden könnten.
32
Welche Massnahmen wurden gegen Spionage und Landesverrat ergriffen?
Es gab Spionageaktionen von deutscher Seite, meist mit Schweizern als Agenten. Dies wurde als Landesverrat gesehen, wofür 33 Todesurteile ausgesprochen und 17 ausgeführt wurden.
33
Was war die Funktion der 'Abteilung Presse und Funkspruch'?
Sie kontrollierte die Medien (Pressezensur), um massvoll und sachlich zu berichten.
34
Was waren die Gründe, warum Deutschland die Schweiz nicht angriff?
Die Schweiz stellte keine Gefahr dar, war für die NS-Ideologie wenig wichtig, lieferte kriegswirtschaftlich wichtige Präzisionsindustrie und war ein Ort der Geldwäsche und ein wichtiges Transitland.
35
Welche Massnahmen wurden im Rahmen der Kriegswirtschaft getroffen?
Im November 1939 wurde die Rationierung eingeführt. Es gab eine Lohnersatzordnung für den Militärdienst (80-90% des Gehalts).
36
Was war der 'Plan Wahlen'?
Das Autarkieprogramm ('Anbauschlacht'), um den Selbstversorgungsgrad (75%) zu erhöhen.
37
Wie entwickelte sich der Waffenhandel und Aussenhandel der Schweiz im Verlauf des Krieges?
Aufgrund der deutschen Kohleblockade gab es ein Wirtschaftsabkommen mit Deutschland: Deutschland lieferte Rohstoffe, die Schweiz exportierte Fleisch/Milch und gewährte offenen Transitverkehr. Mehr als 50% der Kriegsindustrie arbeitete für Deutschland.
38
Wann änderte die Schweiz ihren Aussenhandel?
Ende August 1944. Im Oktober 1944 wurden die Kriegsmateriallieferungen an Deutschland eingestellt, und im März 1945 gab es ein Abkommen mit den Alliierten.
39
Was besagte das schweizerisch-deutsche Verrechnungsabkommen?
Es gab keinen direkten Zahlungsverkehr, sondern ein 'Clearing', bei dem die Schweiz zinslose Überziehungskredite gewährte. Nach dem Krieg wurden Deutschlands Schulden von der BRD bezahlt und die deutschen Vermögenswerte in der Schweiz freigegeben.
40
Warum war die Schweiz beliebt für den Goldhandel?
Die Schweiz war eine beliebte 'Goldwaschanlage' für Raubgold, 'Opfergold' bzw. 'Totengold'.
41
Was besagte das Washingtoner Abkommen von 1946?
Die Schweiz zahlte 250 Mio. Franken in Gold an die Alliierten.
42
Wie war die Flüchtlingspolitik der Schweiz vor dem Krieg?
Die Politik war restriktiv (nur Transitland, keine Integration). Die Schweiz forderte die allgemeine Visumspflicht für Deutsche, was zur Einführung des Judenstempels durch Deutschland führte.
43
Was geschah mit den Flüchtlingen, die während des Krieges in die Schweiz kamen?
Nach der Wannseekonferenz 1942 wurde die Grenze wegen des grossen Andrangs komplett geschlossen ('schon stark besetztes Rettungsboot'). Ausnahmen gab es für Alte, Schwangere, Kinder und Kranke. Sie wurden in Flüchtlingsheimen und Arbeitslagern unter militärischer Disziplin untergebracht.