Grundmodelle der Störungslehre
Einflussreichste Grundmodelle:
Behandlungsmethoden psychischer Störungen mithilfe klassischer Konditionierung
Systematischer Erwerb von Entspannungsreaktionen (Applied Relaxation)
• Soll Patienten helfen, sich im Alltag schnell und tief auf Hinweisreiz hin zu entspannen:
Gegenkonditionierung
• Therapiemethode der Angstbehandlung:
1. Vormals CS werden mit UCS verbunden, die angenehme Qualität besitzen
2. Negative Reaktion (zB Angst) wird durch positive Reaktion überformt
• Beispiele: Konfrontationsverfahren, systematische Desensibilisierung
Konfrontationsverfahren
Betroffene sollen sich wiederholt CS aussetzen, bis CR nachlässt u. CS wieder mit neutralen Konsequenzen verknüpft wird (zB im Kaufhaus sein, ohne Angst zu haben) bzw. keine CR mehr auslöst
Systematische Desensibilisierung
Aversionstherapie
“Law of effect” (Thorndike & Gates, 1930)
Verhaltensweisen, die kurz vor einem befriedigenden Zustand gezeigt werden, werden mit hoher WSK wiederholt
Kognitive Modelle der Depression
Wann liegt eine psychische Störung vor? (mehrdimensionale Definition)
Warum wird der Begriff Krankheit vermieden?
Was ist eine Psychologische Störung und wann/warum spielen Normen bei der Diagnose eine Rolle
Verschiedene Normtypen in Zusammenhang mit psychischen Störungen und ihre Anwendbarkeit erklären.
• Statistische Norm: Definiert anhand des empirischen Durchschnittswerts; abnorm ist das Ungewöhnliche,
das von Häufigkeitsverteilung abweichende, das Seltene
• Ideal- oder Funktionsnorm: Allgemeingültig postulierte und philosophisch-weltanschaulich begründete
„Zustände der Vollkommenheit/des eigentlichen Zwecks“ – abnorm ist das vermeintlich Falsche
• Soziale Norm: Gesellschaftlich definierte Verhaltensnormen; abnorm ist das Abweichende.
• Subjektive Norm: Individuelle Gegebenheiten als Maßstab zur Beurteilung von Veränderungen; abnorm
ist das Belastende
Es wurde bereits eine bipolare affektive Störung diagnostiziert. Seit einiger Zeit leidet sie unter einer depressiven Episode. Unter welchen Symptomen leidet sie wahrscheinlich seit zwei Wochen? Nenne mind. 4 Symptome einer depressiven Phase. Was sollte vor Abschluss der Diagnose ausgeschlossen werden?
• Niedergeschlagene bzw. traurige Stimmung
• Interesse- und Freudeverlust
• Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf
• Konzentrationsprobleme
• Wiederkehrende Gedanken an Tod, einschließlich suizidaler Gedanken
Zeitkriterium: Symptome müssen über 2 Wochen vorliegen
Ausschlusskriterium:
Die Symptome können nicht durch das Vorliegen von Trauer erklärt werden.
Es wurde bereits eine bipolare affektive Störung diagnostiziert. Seit letzter Woche leidet sie unter einer manischen Phase. Unter welchen Symptomen leidet sie wahrscheinlich. Nenne mind. vier Symptome einer manischen Phase. Und grenze die Bipolare Störung I von der Bipolaren Störung II ab.
„Bipolar-II-Störung“: Depressive und hypomanische Phasen wechseln sich ab
„Bipolar-I-Störung“: Wechsel zwischen depressiven und manischen Phasen
Zeitkriterium (nach DSM-IV-TR): Symptome müssen über eine Woche vorliegen
Nennen Sie die Voraussetzungen für operantes Konditionieren. Nenne zwei operante Verfahren zum Verhaltensaufbau und kurz erklären.
Kontingenz: Stärke des Zshangs zwischen relevantem Verhalten u. Konsequenz; sollte eng sein, d.h. für Lernvorgang sollte Konsequenz möglichst nur zs mit entsprechendem Verhalten auftreten
Kontiguität: Zeitlicher Zsnhang zwischen Verhalten u. Konsequenz; Zeitintervall sollte möglichst kurz sein
Folgerichtigkeit: Eng mit Kontingenz und Kontiguität verknüpft; muss ersichtlich sein, dass Konsequenz auf gezeigtes (un)erwünschtes Verhalten zurückzuführen ist
• Keine Konsequenz (un) bzw. Konsequenz zeigen
Wiederholung: Für Wirksamkeit muss Verknüpfung zw. Verhalten u. Konsequenz mehrfach dargeboten werden
• Verfahren: Shaping und Chaining (s. Karteikarten)
Was sind Voraussetzungen für eine Störung und welche Voraussetzung gibt es bei ADHS?
Störungen der Aufmerksamkeit:
• Mangelnde Ausdauer (insbesondere bei Tätigkeiten, die Konzentration verlangen)
• Tendenz, schnell zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her zu wechseln, ohne tatsächlich zu beenden
Mangelnde Impulskontrolle:
• Plötzliches Handeln, ohne vorheriges Nachdenken
• Mangelnde Fähigkeit, Bedürfnisse aufzuschieben/ abzuwarten, bis man an der Reihe ist
Hyperaktivität:
• Desorganisierte, überschießende u. unzureichend regulierte motorische Aktivität
• Erhebliche Ruhelosigkeit, insbesondere wenn Ruhe u. Konzentration verlangt
Vergleichen: Medizinisches (!), psychodynamisches, lerntheoretisches Modell
Grundmodell zur Einschätzung psychischer Störungen
• Kranksein aufgrund primär anatomischen, physiologischen oder biochemischen Defektes
• Defekt ist organischer Art und liegt in der Person
• Defekt hat kausal mikroskopische Ursachen(muster) (z.B. genetische Veränderungen)
• Therapie mittels Medikamente oder somatischer Verfahren (z.B. Lichttherapie)
Bio-psycho-soziales Modell am Fallbeispiel Student mit Angst vor Referaten Soziale Phobie.
Bio: Genetische Disposition, Neurotransmitter, Läsion, Infektionen
Psycho: Erleben, Verhalten, Bewältigen, Info-Verarbeitung allgemein
Sozial: Interpersonelle Faktoren (Familie), Kulturabhängigkeit/ethnische Zugehörigkeit (Werte), Soziologischee Faktoren (soziale Ungleichheit), Umweltfaktoren (Krieg)
Bio-psycho-soziales Modell MC
• Entwicklung: Resultat aus Wechselwirkung zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren
• Zwei Formen: Interaktions- und Transaktionsmodelle
1. Entwicklung resultiert aus genetischen Vorgaben und entwicklungsbedingten Erfahrungen mit Umwelt
2. Alle Faktoren, die an Interaktion beteiligt sind beeinflussen sich wechselseitig u werden in Folge verändert
• Individuum- und Umweltebene ist ausdifferenzierter:
o Umweltfaktor (soziale, kulturelle Umstände)
o Genotyp (Gesamtheit d. Erbanlagen)
o Phänotyp (Morphologie, physiologische, psychologische Eigenschaften)
• Kontinuität* im Entwicklungsverlauf entsteht durch Wechselwirkung u Grad d Ausgewogenheit d 3 Systeme
Erklären Sie die sozial-kognitive Lerntheorie und die Phasen des Modelllernens, was ist Modelllernen?
• Bandura unterscheidet drei Formen des Lernens:
Lernen durch…
1. direkte Erfahrung (Konditionierungslernen)
2. symbolische Erfahrung (Instruktionslernen)
3. stellvertretende Erfahrung (Modelllernen)
• Bezug auf Elemente des Behaviorismus (Verstärkungslernen) mit Erweiterung hinsichtlich kognitiver Prozesse
• Zentrales Kernstück: Beobachtungslernen (Imitation, Modelllernen)
ML: Verhalten wird durch Beobachtung anderer erlernt/modifiziert, auch Umstände und Konsequenzen des Verhaltens werden erlernt
Was bedeutet der Begriff Kognitionen?
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Beschreiben Sie ein kognitives Modell Ihrer Wahl.
• Bower entwickelte gedächtnispsychologische Erklärung für die Entstehung einer Depression mithilfe seiner “Netzwerktheorie emotionaler Störungen” (1981)
o Speicherung von Infos über Ereignisse in Konzepten, die Netzwerke darstellen und zwischen denen assoziative Verbindungen bestehen
o Hinweisreize ermöglichen Abruf (Erinnern) des ganzen Netzwerks
• Durch Verbindungen zwischen Propositionen (kleinste gespeicherte Infoeinheiten) werden Assoziationen gebildet, die im Gedächtnis gemeinsam aktiviert werden
o Bower: Emotionen können Knotenpunkte sein, die Verbindungen zwischen Ereignissen herstellen (Niedergeschlagene Stimmung ruft so nicht nur Erinnerungen, sondern auch assoziierte Selbstbewertungen und Verhaltensmuster auf)
o Emotionen verzerren Enkodierung der Verbindungen in stimmungskongruenter Richtung (Stimmungskongruenz-Gedächtniseffekt bzw. mood congruent memory bias) => Vielzahl experimenteller Studien konnten dies nachweisen
Erklären Sie die Entstehung von Depression nach dem Modell von Beck (Kognitive Theorie der Depression, 1967).
Theorie enthält drei wesentliche Elemente:
1. Verzerrte Infoverarbeitungsprozesse („Denkfehler“)
2. Negative Inhalte der Gedanken („negative kognitive Triade“ NKT)
3. Kognitive Schemata (Mentale Repräsentationen von Wissen, die die Infoaufnahme u. -verarbeitung aus Umwelt organisieren u. ordnen
o Filter, die selektiv Details aus Erfahrung hervorheben/ ausblenden (Wahrnehmung konsistenter, mit Grundüberzeugung vereinbarer Aspekte)
o Entwickeln sich auf Basis von Kindheits- und Adoleszenzerfahrungen (Einbezug von Ergebnissen der Bindungstheorie, lerntheoretischen Konzepten wie Modelllernen u. elterliche Erziehungsstile)
• Beck: Depressive besitzen negative Schemata (=> Konsistentes Muster der Verarbeitung von Erfahrung gekennzeichnet durch Pessimismus, Selbstabwertung, Hoffnungslosigkeit)
• „NKT“: Negative Überzeugungen bzgl. sich selbst, Welt, Zukunft (Führen zu emotionalen u. motivationalen Symptomen d. Depression)
o Aufrechterhaltung durch Verzerrungen im Denken, obw zB reale Erfahrungen positivere Bewertungen nahelegen