Migräne
Eine Migräne ist etwas anderes als gewöhnliche Kopfschmerzen, die fast jeder Mensch ab und zu hat.
Bei einem Migräneanfall setzen plötzlich heftige Schmerzen ein, oft nur auf einer Kopfseite. Sie sind deutlich stärker als gewöhnliche Kopfschmerzen und meist von weiteren Beschwerden begleitet.
EPI
Sehr häufige primäre Kopfschmerzerkrankung
Geschlecht: ♀>♂ (3:1) im mittleren Erwachsenenalter
Alter: Erstmanifestation meist zwischen 15. und 25. Lebensjahr
Ätiologie: Familiäre Disposition und Triggerfaktoren
Über die pathophysiologische Ursache der Erkrankung gibt es viele Theorien, aber keine eindeutigen Erkenntnisse
Familiäre Disposition
Mögliche Triggerfaktoren:
Migräne Formen
Die Migräne wird klinisch in:
einfache ( vegetative Begleitsymptome),
klassische ( neurologische Defizit begleitet ) und
komplizierte ( neurologische Störungen begleitet) Form eingeteilt.
Einige Autoren teilen die Migräne auch nach dem Vorhandensein einer Aura in “mit Aura” und “ohne Aura” ein.
Die vestibuläre Migräne ist die häufigste Ursache von spontan rezidivierenden Schwindelattacken im mittleren Lebensalter.
Klinik: Prodromi
Vorboten: Stunden bis 2 Tage vor der Migräneattacke
Stimmungsveränderung Heißhunger oder Appetitlosigkeit Schwierigkeiten beim Schreiben und Lesen Vermehrtes Gähnen Polyurie Polydipsie
Klinik: Kopfschmerzen
Lokalisation: Ca. 60% einseitig (kann auch während eines Anfalls die Seite wechseln), insb. frontal, frontotemporal, retroorbital
Dauer: 4–72 Stunden
Verlauf: Langsam zunehmender Schmerz
Charakter: Pulsierend, bohrend, hämmernd
Klinik: Begleitphänomene
Phonophobie = Lärmenempfindlichkeit Photophobie = Lichtempfindlichkeit Appetitlosigkeit Übelkeit Erbrechen Leichtes Augentränen Geruchsüberempfindlichkeit Verstärkung durch körperliche Tätigkeiten
Klinik: Migräne mit Aura
Anfallsweise auftretende, reversible fokale neurologische Symptome <60 Minuten Dauer
Migränetypische Kopfschmerzen sind dabei nicht obligat (Migraine sans migraine)
Kortikale Symptomatik, insb. mit Beteiligung der Sehrinde
Flimmerskotom
Negatives Skotom: Gesichtsfeldausfall
Positives Skotom: Gezackte Linien bzw. Fortifikationsspektren , die das Flimmerskotom umgeben oder ausfüllen
Photopsien (Lichtblitze)
Grelle Farbwahrnehmungen
Sensibilitätsstörungen, Parästhesien
Aphasie
Hirnstamm- bzw. Kleinhirnsymptomatik: Paresen, Schwindel
Klinische Diagnose der klassischen Migräne ohne Aura
Anamnestisch mind. fünf Attacken, die folgende Kriterien erfüllen und nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen sind:
Dauer (ca. 4–72 Stunden)
Mind. zwei der folgenden Kriterien bzgl. der Kopfschmerzen werden erfüllt
Lokalisation (meistens einseitig)
Pulsierender Charakter
Mittlere bis starke Intensität
Verstärkung durch körperliche Tätigkeiten
Auftreten von mind. einem der folgenden Begleitsymptome
Übelkeit und/oder Erbrechen
Photophobie und Phonophobie
Klinik: Allgemeine Untersuchung beim Leitsymptom Kopfschmerz zum Ausschluss anderer Ursachen
DD
Spannungskopfschmerz
Cluster-Kopfschmerz
Medikamenten-induzierter Kopfschmerz
Hypertensive Krise
Spannungskopfschmerzen
Typischerweise bifrontal, okzipital oder holozephal
Dumpf drückend, Engegefühl („Schraubstockgefühl“)
Meist leichte bis mäßige Intensität
Weitere Charakteristika
Keine Verstärkung durch körperliche Tätigkeit
Keine vegetativen Begleitsymptome.
Erbrechen ist mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp nicht vereinbar!
Cluster-Kopfschmerzen Hinweisend auf Clusterkopfschmerz: Einseitige Symptomatik Schmerzen im Bereich des Auges Zeitliche Charakteristika (bspw. Erwachen aus dem Schlaf, Wiederholung zur selben Tageszeit) (Motorische) Unruhe während Attacke
Leitsymptomatik: Stärkste einseitige Kopfschmerzattacken mit ipsilateraler autonomer Symptomatik Kopfschmerzen
Lokalisation: Streng einseitig Augenregion (orbital, supraorbital und/oder temporal)
Schmerzcharakter: Hohe oder sehr hohe Schmerzintensität Bohrend, stechend, brennend
Zeitlicher Charakter: Häufig nachts auftretend
Dauer der einzelnen Attacke: 15 Minuten bis 4 Stunden
Gehäuftes Auftreten in „Clusterperioden“ mit bis zu 8 Attacken pro Tag !
Autonome Symptome (mindestens eines obligat und immer ipsilateral zu den Kopfschmerzen): Konjunktivale Injektion und/oder Lakrimation (Tränenfluss), Inkomplettes Horner-Syndrom (nur Ptosis und/oder Miosis) Rhinorrhö und Schleimhautschwellung der Nase, Schwitzen, Gesichtsrötung
Paroxysmale Hemikranie
Sehr selten
Klinik: Periorbitale bohrende Schmerzen hoher Intensität
Kürzere Attacken (5–30 Minuten) und höhere Attackenfrequenz (bis zu 30/Tag) als beim Clusterkopfschmerz
Medikamenten-induzierter Kopfschmerz
Übergebrauch von Analgetika
Bei regelmäßiger Schmerzmitteleinnahme aus anderen Gründen als einer primären Kopfschmerzerkrankung kommt es nicht zu einem Medikamenten-induzierten Kopfschmerz!
Therapie: Medikamentöse Akuttherapie
Allgemein: Patienten von äußeren Reizen (Licht, lauten Geräuschen usw.) abschirmen, Bettruhe
a. Leichte bis mittelstarke Migräneattacke: NSAR sind Mittel der 1. Wahl Acetylsalicylsäure (ASS) p.o. oder i.v. als Notfallmedikament Ibuprofen p.o. Diclofenac-Kalium p.o.
ASS + Paracetamol + Koffein (Kombinationspräparat) p.o.
Bei Kontraindikation gegen NSAR: Paracetamol p.o. oder Metamizol p.o.
b. Mittelschwere bis schwere Migräneattacke : Triptane
Wirkstoffe.
Sumatriptan s.c. ist die wirksamste Triptan-Therapie und hat den schnellsten Wirkungseintritt
Kombination von Triptan + NSAR (insb. Sumatriptan + Naproxen): Indiziert bei Patienten mit langen oder wiederkehrenden Migräneattacken
c. Antiemetikum: Bei allen Attacken als zusätzliche Gabe möglich
Metoclopramid p.o.
Alternative: Domperidon p.o
Migräne-Notfallmedikation
Nach erfolgloser Einnahme oraler Medikation
ASS als schnell wirksames Lysinat i.v. oder Sumatriptan s.c.
Alternative: Metamizol i.v. Therapievorschlag: Metamizol
(z.B. Novaminsulfon®) 1.000 mg i.v. als langsame Infusion beim liegenden Patienten, Maximaldosis 5.000 mg/d, beachte Aufklärung bei Metamizolgabe
Ergänzend: Metoclopramid i.v
Komplikationen
Prävention
CGRP-Antikörper: Indiziert bei ≥4 Migränetagen pro Monat Erenumab
Aufklärung : gründliche KU Insb. neurologische Untersuchung, Vitalparametern.
Ggf. Elektroenzephalographie und MRT, bei einem Hinweis auf…..führen wir eine….., um…. auszuschließen
Blutdruckmessung
Die Blutdruckmessung ist eine Standarduntersuchung, mit der man den Druck in den Schlagadern bestimmt.
Vor der Messung sollten Sie entweder in eine sitzende oder liegende Position mit leicht erhöhtem Oberkörper sein und etwa drei bis fünf Minuten ruhen. Ich erfolge die Anlage der Blutdruckmanschette am Ihren entkleideten Oberarm und ich werde die Blutdruckmanschette aufpumpen.
Die 10 wichtigsten Schritte für die allgemeine neurologische Untersuchung
file:///C:/Users/johan/OneDrive/Dokumente/FSP/neurologie-HA-10-regeln.pdf
Eine besonders schwere Form der Migräne ist die sogenannte Migräne mit Aura. Dabei wird das Sichtfeld der Patienten durch zickzackförmige Blitze oder Flimmern zunehmend eingeschränkt. Zunächst denkt der Patient, dass die Windschutzscheibe des Autos beschlagen oder schmutzig ist. Er versucht dies mit dem Scheibenwischer zu beheben. Das bewirkt keine Änderungen. Die Aura wird größer und breitet sich zeitlich und räumlich aus. Mit der Migräne-App können Nutzer die Migräne mit Aura live in ihrer aktuellen Umgebung erleben. Dies kann zu schneller diagnostischer Sicherheit und wirksamer Behandlung verhelfen. Viele Patienten, die zum ersten Mal eine Migräne mit Aura erleben, sind verunsichert und wissen nicht, was diese enorme Einschränkung des Sichtfeldes zu bedeuten hat. Oftmals wird ein Problem mit den Augen oder gar ein Schlaganfall vermutet.