Wundversorgung
-Bis zu 6-8 h nach Verletzung Naht möglich
-Durchblutung u. Heilung ist besser am Kopf als an den Extremitäten
-Vollhauttransplant.: Epidermis, Dermis (+Hautanhangsgebilde)
+: Kosmetisch günstige Ergebnisse
-: Hohes Nekroserisiko; Sekundärdefekt im Entnahmebereich
-Spalthautt..: Epidermis, oberer Anteil (1/4-3/4) Dermis (-Hauta.)
+: Gute Anheilungstendenz; nur oberflächlicher Sekundärdefekt im Entnahmebereich, der nicht gedeckt werden muss
-: Narbenbildung, Pigmentverschiebung, Kontraktionsneigung, verminderte Belastbarkeit
Sonderform: “Meshgraft” (gitternetza. Inzisionen Dehnung auf 3- 6x)
Bisswunden
Dekubitus
Grad 1 = Pers. Rötung, intakte Haut
Grad 2 = Oberflächlicher Hautdefekt (Epidermis u. ggf. Dermis defekt)
Grad 3= Verlust aller Hautschichten, Defekt Subkutis, ggf. bis auf die darunterliegende Faszie reichend
Grad 4 = Verlust aller Hautschichten mit ausgedehnter Gewebsnekrose oder Schädigung von Muskulatur, Knochen
-konservative Th.:
Druckentlastung der betroffenen o. gefährdeten Stellen durch Lagerung (alle 2 h) u. Wechseldruckmatratze, Hautpflege, Wundbehandlung (Nekrosenabtragung, Hydrokolloidverbände, keine Antibiose!)
-Sekundärprophylaxe: Mobilisation, Ernährung optimieren
Follikulitis, Furunkel, Karbunkel
-Eitrige Entzündung Haarbälge (o. Talgdrüsen)
Follikulitis: Haarfollikel
Furunkel: Moderate Ausbreitung Follikulitis, Abszess (einige mm groß)
Karbunkel: Konfluierende F. , Mehrere cm, ggf. Abszedierung u. Hautnekrose
-Staph. a.
-DD Ecthyma simplex:
Superinfektion kl. Verletzungen, β-häm. Strept,
Münzgroßes, scharf begrenztes u. oberflächliches Ulkus, das wie ausgestanzt wirkt
-Th.:
Lokal: Kühlung, Antiseptika, Ruhigstellung, ggf. Abszessspaltung,
Syst.: Antibiose i.d.R. nicht notwendig
-Sonderform: Gesichtsfurunkel
Gefahr Sinus cavernosus-Thrombose u. Meningitis, Keine Manipulationen, Sprech- u. Kauverbot, bis zur spontanen Entleerung hochdosiert Antibiotika (Flucloxacillin)
Abszess
Phlegmone
Empyem
-Eiteransammlung inn. eines schon bestehenden Hohlraums (Pleuraempyem, Gelenkempyem, Gallenblasenempyem)
-Bakt. I., hämatogen, lymphogen o. direkt fortgeleitet
-Je nach Lok.: Staph. a., E.coli, Strept. pneumoniae
-Th.:
Gelenkempyem: Notfall → sofortige Eröffnung, Säuberung u. Drainage, kalkulierte Antibiose
Pleuraempyem: Kalkulierte Antibiose, Thoraxdrainage bzw. eine thorakoskop. Ausräumung unter Resektion der viszeralen u. parietalen Pleura samt Bindegewebs- und Narbensträngen, um Einschränkung Atemmechanik zu verhindern
Gallenblasenempyem: Cholezystektomie
Erysipel
Panaritium, Paronychie
-Paronychie (Nagelfalzentzündung): Entzündung Nagelwall, evtl. mit eitriger Einschmelzung
-Panaritium: Lokalisierte, eitrig-einschmelzende Entzündung Bereich Finger o. seltener) Zehen
-Oberflächliche Panaritien: cutaneum, subcutaneum, subunguale
-Tiefe Panaritien: Komplikationen oberflächliche Panaritien, Panaritium periostale, ossale, articulare, tendinosum
-Paronychie (Panaritium parunguale)
-Kragenknopfpanaritium: Gleichzeitig intra- u. subkutane Eiterbildung Finger, die über kl. Gang verbunden ist
-V-Phlegmone: Entzündung Sehnenscheiden Daumen u. Kleinfinger, da diese beiden Sehnenscheiden verbunden sind
-Hohlhandphlegmone: Ausweitung über Sehnenscheiden u. Befall HG u. Unterarm
-Th.:
Konservativ
Nur bei sehr kl. Befunden ohne Anhalt für Absz., Antiseptische Lokaltherapie, Ruhigstellung, Evtl. Antibiose, Hochlagerung, Kühlung
Operative Therapie
Frühe I., insb. bei Abszedierung, Inzision, Spülung, Drainage, Entfernung Nekrosen, Ruhigstellung, Abstrich, Bei tiefen Infektionen oder Allgemeinsympt.: Antibiose
Tetanus
-Clostridium tetani (grampos. Stäbchen, obligat anaerob, Neurotoxinbildner, ubiquitär)
-Über verunreinigte Wunden, Res. Sporen ubiquitär
-Tetanospasmin: über Axone ins ZNS, verhindert Freisetzung Neurotransmitter in Renshaw-Zellen, unkontrollierte Akt. α-Moton., ton.-klon. Krämpfe, durch sens. Reize getriggert, über polysyn. Reflexbahnen zu einer verstärkten Akt. der antagonistischen und agonistischen Musk. kommt
-Tetanolysin: Hämolyse, kardiotox.
-3-14 T, Allg. Sympt.: Grippeähnlich mit Kopfschmerzen u. Schwindel, Vermehrter Speichelfluss
-zunächst Gesichtsmusk.
Trismus
Risus sardonicus
Opisthotonus
-Durch äußere Sinnesreize (akustisch, optisch, mechanisch) auslösbare, ton. u. klon. Muskelkontraktionen, Verlauf Sympathikolyse mit Ateminsuffizienz u. Bradykardie kommen → Kreislaufstillstand und Schock
-Th.: Tetanus-Antitoxins, Penicillin G, Umstritten: Anti-Tetanus-Immunglobuline (Tetagam®)
Gasbrand
-Clostridium perfringens -obligat anaerober Sporenbildner (seltener: Cl. septicum, Cl. histolyticum)
-Wundinfektion: Res. Sporen ubiquitär
-anaerobe Bed. Vermehrung, Toxine unter CO2 Bildung, zerstören Zellmembranen u. hemmen Leukozytenfunktion
-h-T, breitet sich sehr schnell aus, inn. weniger h systemische I.
-Ödematös geschwollene Haut
-Wundsekret: Süßlich-faulig durch Anaerobierstoffwechselprodukte, Hautkrepitationen
-Syst.: Fieber u. Schock
-chir. Herdsanierung durch Debridement, ggf. Amputation
-Supp. Penicillin G+ Metronidazol, Hyperbare Oxygenierung
-Letalität:
Unbehandelt: -100%!
Bei adäquater Th.: -50%!
Aktinomykose
-♂>♀ (3:1), junges Erwachsenenalter
-Anaerobe u. aerobe Mischinfektion mit Aktinomyzeten, A. israelii, und anderen Bakt. der normalen Mundflora des Menschen
-Aktinomyzeten überwiegend anaerobe, grampos. Stäbchen
-Infektionsweg:
Zervikofaziale Form: Teil phys. Mundflora, Verletzungen (Tonsillitis, Zahninfektion, Zahnextraktion)
Abdominelle/intestinale Form: Meist Folge von Darmops
Thorakale Form: Meist Aspiration von erregerhaltigem Sekret
Hepatische Form: Durch hämatogene Streuung über V. portae
-Zervikofaziale: Häufigste, Hals, Gesicht (Mund o. Tränenröhrchen → Kanalikulitis), derbe Knoten, Fisteln, Eiterentleerung mit sog. Drusen (1mm große Granula, in Eiterflüssigkeit, Biopsie, Ansammlungen von Aktinomyzeten (Konglomerate), umgeben von zahlreichen Granulos, Radiär ragen verzweigte Aktinomyzeten heraus)
-Th.: Aminopenicilline, alt.: Tetrazykline o. Cephalosporine, ggf. op. Herdsanierung
-Progn.: Mit Th.: Starke Rezidivneigung, Ohne Th.: Chron.-progredient, Einbruch in benachbarte Strukturen möglich, selten hämatogene Streuung
Präop. Diagnostik
Absetzen, Pausieren Medis
-Blutgerinnung: Bridging von Marcumar auf Heparin, Aussetzen Hep. direkt vor Op, Wiederansetzen direkt postoperativ u. Wiedereinstellung auf Phenprocoumon
ASS, Clopidogrel: ggf. 5-7 T präop. pausieren
-Orale Antidiabetika: nicht am OPTag, Metformin pausieren: 48 h präop. - 48 h postop. → Gefahr Laktatazidose, Einstellung auf Insulin
-Statine: nicht Absetzen
-Östrogenhaltige Ovulationshemmer: 4 Wo vor größeren OPs absetzen
-Psychopharmaka: Lithium 72 h präoperativ absetzen, ggf. Spiegelbestimmung (Gefahr Lithiumintoxikation)
-Nicht-sel., irrev. MAO-H (Tranylcypromin) 2 Wo vorher absetzen
-Antianginöse Medikamente sollen zur Präv. einer Myokardischämie am OP-Morgen auch weiterhin genommen werden!
ASA
ASA 1: Gesunder Patient
ASA 2: Leichte Allgemeinerkrankung
ASA 3: Schwere Allgemeinerkrankung
ASA 4: Schwere Allgemeinerkrankung, konstante Bedrohung für das Leben des Patienten darstellt
ASA 5: Moribunder Patient, der ohne Operation voraussichtlich nicht überleben wird
ASA 6: Hirntoter Patient, Organspender
E: Optionaler Zusatzfaktor bei Notfall-Operationen (Emergency)
Prämedikation
Periop. Antibiotikap.
- Intraop.: Bei Dauer der OP >3 Std. oder Blutverlust >1 L, ggf. 2. Dosis
Postop. Fieber
5 W's: Wind → Lunge (Pneumonie) Water → Harnwege (Zystitis) Walking → Thrombose/Lungenembolie Wound → Wundinfektion What did we do → Katheterinfektionen/Medikamente
Koronararterienchirurgie
-I.:
Hochgradige Hauptstammstenose link Koronararterie
Sympt. Dreigefäßerkrankung
Sympt. Zweigefäßerkrankung mit stammnahen Sten. RIVA u. RCX
Zwei- u. Dreigefäßerkrankung, prox. Bereich RIVA
-A. Thoracica interna, A. Radialis, V. saphena magna/parva, ACB, ACVB
-Kompl.:
Postkardiotomiesyndrom: 1-6 Wo Entstehung einer autoimmunen fieberhaften Perikarditis o. Pleuritis
Verschluss des Bypasses
Postoperative Herzbeuteltamponade mit kardiogenem Schock
-postop.: ASS 100 mg 1-0-0 lebenslang
Aneurysma verum
Aneurysma spurium/falsum
Aneurysma dissecans
Aortenaneurysma
-Ausweitung aller drei Gefäßwandschichten (Intima, Media, Adventitia)
-Thorakales: > 3,5cm, selten: %
-Abdominelles: ≥ 3cm, infrarenal (Häufigste Lok., >90%, Spindelförmig o. sackförmig (erhöhtes Rupturrisiko))
20% der Aneurysmen breiten sich bis zu den Beckenarterien aus
Häufigkeitsgipfel 60-70 J, 1% der > 50-j., 10% der > 70-j. männlichen Hypertoniker, ♂:♀ = 5:1, Pos. Familienanamnese
-Rf.: Arteriosklerose, Rauchen, Hypertonie, Chron. Aortendissektion, Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Seltener: Vaskulitis/Infektionskrankheiten mit Aortenbeteiligung (z.B. Syphilis → Mesaortitis luica, Mykose, Takayasu-Arteriitis), zystische Medianekrose (Gsell-Erdheim)
-Sympt.: meist Asympt., Unspez. Beschwerden: Druckgefühl Brust, Thorakale Rückenschmerzen, Abdominal- o. Flankenschmerz (kolikartig ), Spez.: Tastbarer pulsierender Tumor, P. Thrombosen als ind. Zeichen, Einengung bzw. Irritation mediastinaler Strukturen: Stridor, Schluckbeschwerden, Obere Einflussstauung, Heiserkeit (N. laryngeus recurrens), Horner-Syndrom (Grenzstrang)
-Th.: RR unter 120/80 mmHg, Nikotinabstinenz
Chirurgisch OP-Indikation:
Baucha.: Asympt., d >5cm, Zunahme >1cm/J, Sympt.
Thorakal: Asympt., d >5,5-6 cm, Zunahme >0,5cm/J, OP bei sympt. erwägen
-Goldstandard: Rohr- o. Y-Prothese (aorto-biiliakal), Ggf. interventionelle Stentprothese
-Postop. Kompl.: Aortointestinale Fistel mit massiven Blutabgängen über GIT
-Kompl.: Ruptur/gedeckte Ruptur/Aortendissektion
Heftigster, schlagartig aufgetretener Rückenschmerz mit abdomineller Ausstrahlung, Hypovol. Schock (bei freier Ruptur)
Embolie aus thromb. Material Aneurysma
-Screening durch Ultraschalluntersuchung
Männer ab 65 J
Frauen mit Raucheranamnese ab 65 J
Alle familiär vorbelasteten Personen
Endarteriektomie
-Op. Rekanalisierung von thrombotisch, embolisch o. arteriosklerotisch verengten/verschlossenen Arterien
-Gefäßstenosen: Hochgrad. Karotissten., pAVK, Akuter Gefäßverschluss
-Spez. Kompl. (Thromb‑)Endarteriektomie (TEA) A. carotis:
Apoplex, Verschleppung Mikrothromben (A. cerebri media → kontralat. Paresen)
Ipsilat. N. facialis (periphere Fazialisparese)
Ipsilat. N. laryngeus recurrens: Heiserkeit
Ipsilat. N. hypoglossus: Abweichung der Zunge zur betroffenen Seite