Können kurz die wichtigsten Grundlagen des Organs „Haut“ erläutern
Die Haut
* äußere Hülle und größtes Organ des Menschen (beim Erwachsenen 1,5-2 m² Fläche und ca. 3,5kg Gewicht, mit Unterhautfettgewebe evtl. über 10 kg)
* Bei Kindern ist die Körper- und damit die Hautoberfläche relativ zum Körpergewicht sogar größer
* Geht an den Körperöffnungen in die Schleimhäute der inneren Körperoberflächen über
Funktionen der Haut
* Abgrenzung der „Innenwelt“ von der „Außenwelt“ und Schutz des Körpers vor unkontrolliertem Verlust körpereigener Substanzen und schädlichen Umwelteinflüssen
* Aufnahme von Sinneseindrücken aus der Außenwelt
* Speicher- und Stoffwechselaufgaben (Fettspeicherung, Vitamin-D-Bildung)
* Teil der Immunabwehr (als äußere Schutzbarriere und durch die in ihr enthaltenen Abwehrzellen)
* Mitregulation von Wasserhaushalt (in Form von Schweiß) und Körpertemperatur
* Kommunikation, etwa wenn wir in unangenehmen Situationen vor Scham erröten
Können die Bedeutung von Hauterkrankungen für Betroffene schildern
Bedeutung für Betroffene
* Der Zustand der Haut bestimmt wesentlich den Eindruck, den Menschen in der Öffentlichkeit erwecken
* Eine glatte und feste Haut wird z.B. allgemein als jugendlich und gesund wahrgenommen
* Hauterkrankungen belasten Betroffene sehr, weil sie nach außen sichtbar sind (lassen sich selten verbergen) oder z.B. starken Juckreiz verursachen
* Im schlimmsten Fall wagen sich die Betroffenen kaum noch in die Öffentlichkeit (Lebensqualität sinkt)
* Hautveränderungen und psychischen Befinden stehen in engem Zusammenhang -> sie können durch psychische Belastungen ausgelöst oder verschlimmert werden, umgekehrt können sie aber auch zur psychischen Belastung werden
* Hauterkrankungen sind selten lebensbedrohlich, verlaufen aber häufig chronisch-rezidivierend
* Hauterkrankungen werden meist ambulant durch einen niedergelassenen Dermatologen behandelt
* Therapien sind oft langwierig oder gar dauerhaft
Können verschiedene Arten von Primäreffloreszenzen aufzählen und kennen die Fachbegriffe
Effloreszenz:
von lat. efflorescere = “hervorblühen” dermatologisches Fa
Können verschiedene Arten von Sekundäreffloreszenzen aufzählen und kennen die Fachbegriffe
entstehen häufig auf dem Boden vom Primäreffloreszenzen
Squama (Schuppe)
Crusta (Kruste)
Rhagade
Ulkus (Geschwür)
Erosion
Exkoration (Abschürfung)
Nekrose
Atrophie
Cicatrix (Narbe)
Können die Leitsymptome „Exanthem“, „Erythem“, „Ekzem“ und „Urtikaria“ differenzieren
Exantheme
* Treten i.d.R. plötzlich in einem Areal auf (lokalisiert oder generalisiert)
* Z.B. Arzneimittelexanthem, Masernexanthem
Erythem
* Hautrötung
* Erythrodermie (Rötung der gesamten Hautoberfläche)
Ekzem
* Ist eine nicht-infektiöse Entzündungsreaktion der Haut (z.B. allergisches Kontaktekzem, atopisches Ekzem)
* Typisch ist eine gerötete Haut mit aufgeplatzten Bläschen (nässend), Knötchen, Krusten und Schuppen -> meist mit Juckreiz
* -> Gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen
Urtikaria (von la. urtica = Brennnessel)
* =Nesselsucht oder Quaddelsucht
* Hauterkrankung mit Bildung von flüchtigen Quaddeln
* Begleiterscheinungen sind Rötungen, oft starker Juckreiz und Angioödeme
* Ursachen können allergische (Medikamente) oder pseudoallergische Reaktionen (Wärme, Stress, scharfe Speisen) sein
Können das Problem des Pruritus erläutern und sind zum „Teufelskreis Juckreiz“ und den Pflege- und Therapiemöglichkeiten hinterfragbar
Juckreiz / Pruritus
* Unangenehme Empfindung der Haut, die eine Abwehrreaktion (kratzen) hervorruft
* Kann auch im Rahmen internistischer, neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen auftreten
* Kann Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigen (bis hin zu Depressionen und Suizidgedanken)
Teufelskreis Juckreiz (auch als Juck-Kratz-Zirkel bezeichnet)
* Starkes Kratzen verursacht Schmerzen und lindert das Jucken vorübergehend
* Starkes Kratzen schädigt aber auch die Haut und verstärkt/verursacht Entzündungsprozesse der Haut, welche dann wiederum den Pruritus fördern
Pflege- und Therapiemaßnahmen bei Juckreiz
* Vorrangig ist die Ursachenbeseitigung
* Lokaltherapeutische Beseitigung der trocknen Haut: rückfettende Cremen, Ölbäder
* Einsatz von Lokalanästhetika, Antihistaminika und Glukokortikoide
* Phototherapie, Entspannungsübungen
* Nur lauwarm und kurz duschen
* Nur Wasser oder pH-neutrale Waschzusätze
* Trockentupfen; nicht reiben oder rubbeln
* Luftige Kleidung aus Naturfasern tragen
* Wenig Waschmittel, keine Weichspüler
* Kühle Raumtemperatur, leichte Bettdecken
* Fingernägel kurz halten
* Genussmittel (Alkohol, scharfe Speisen) meiden
* Auflegen gekühlter Kompressen (Kühlschrank, Gefrierfach) in einem Tuch einschlagen
* Feuchte Umschläge mit Schwarztee -> wirken kühlend und gerbend
* Einsatz von Phytotherapeutika (Salbei, Aloe Vera, Lavendel, Kamille, Schafgarbe, …)
* Betroffene nicht ermahnen, sondern Alternativen zum Kratzen vorschlagen (z.B. Nägel fest auf juckende Stelle drücken, mit flacher Hand drauf drücken, Stelle beklopfen, Massageball drüberrollen, mit kaltem Wasser abwaschen/abduschen, kühle Umschläge, Lokaltherapeutikum auftragen)
Können verschiedene Nagelerkrankungen aufzählen und die dazu typischen Veränderungen beschreiben
Nagelveränderungen (können die Farbe, Form und Konsistenz der Nägel betreffen)
Farbe
* Weißlich (bei Traumen oder Mykosen)
* Bläulich (bei Zyanose)
* Gelbgrau, gelbbraun, braun (bei Nagelpilzerkrankung Onychomykose)
* Dunkel bis schwarz (bei einem Hämatom, Nävus oder Melanom)
Form
* Längsriffelung (bei alten Menschen)
* Querfurchen (bei Systemerkrankungen, schwere Infektionen und Chemo)
* Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel (entstehen im Rahmen von Herz-Lungen-Erkrankungen)
* Tüpfelnägel mit kleinen Dellen (typisch für Psoriasis)
* Löffelnägel (bei Eisenmangel)
Konsistenz
* Abnorme Brüchigkeit der Nägel (Onychorrhexis) -> bei Schilddrüsenerkrankungen oder Vitaminmangel aber auch bei übermäßiger Anwendung von Nagellackentferner
* Aufspaltung der Nagelplatte (Onychoschisis) -> bei Psoriasis
Wissen, worauf das Hauptaugenmerk in der Pflege von Patienten mit Hauterkrankungen liegen soll
Hauptaugenmerk liegt auf Wahrnehmen und Beobachten. Pflegekräfte brauchen neben Fachwissen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen (Psyche). Auffällige Hautveränderungen (außer Bagatellbefunde) müssen erkannt und ggf. an ärztl. Personal weitergeleitet werden. Pflege assistiert bei Diagnostik und Therapie
Möglichkeiten der Hautbeobachtung
* Bei jedem Patientenkontakt
* Bei der KP
* Beim Positionswechsel (z.B. Deku-Prophylaxe)
* Bei pflegerischen und therapeutischen Interventionen (IKH-Wechsel, VW)
* Wichtig = genaue Dokumentation
Können die allgemeinen Grundlagen bei der Anwendung von Lokaltherapeutika in der Dermatologie erläutern
Hauterkrankungen werden häufig äußerlich behandelt = lokal/topisch. Arzneimittel gelangen so in höherer Konzentration an den Wirkort. Pflegekräfte führen die Lokalbehandlung nach AAO durch, bzw. leiten Patienten zur sst. Durchführung an und legen anschließend bei Bedarf Verbände an. Lokaltherapeutika sind industriell oder individuell hergestellte Rezepturen zum Auftragen auf die Haut. Bestehen meist aus einem Grundstoff (Salbengrundlage, Trägersubstanz), einem Wirkstoff (Arzneisubstanz) und ggf. Zusatzstoffen. Die Grundstoffe können individuell für die jeweiligen Hauttypen kombiniert werden
Faktoren für die Wahl des Grundstoffs
* Hauterscheinung: nässend oder trocken?
* Hauttyp: trockene oder fette Haut?
* Applikationsort: Kopfhaut, intertriginöse Areale
* Jahreszeit / Außentemperatur: Sommer eher Creme und Winter eher Fett (Vaseline)
* Individuelle Bedürfnisse der Betroffenen
Können die Durchführungsschwerpunkte bei der Anwendung von Lokaltherapeutika in der Dermatologie erläutern
Durchführungsschwerpunkte
* Vor Visite Hautareale reinigen, damit die Beurteilung erleichtert wird
* Anschließend Lokaltherapie erneut anwenden
* Dabei Pat. über mögliche unangenehme Begleiterscheinungen informieren (Geruch, Verfärbung der Haut)
* Bett- und Kleidungsschutz anbringen
* Einmalhandschuhe tragen
* Ggf. alten Verband und Externareste entfernen
* Hautzustand beobachten (NW, Juckreiz, ?…)
* Lokaltherapeutika mit frischem Spatel/Tupfer entnehmen
* Salben auf frischen Spatel, Tupfer oder Handschuh drücken
* Lösungen, Tinkturen auf Watteträger auftragen
* Niemals „nur das Organ Haut“ behandeln, sondern auch die psychische Situation berücksichtigen
Wundmanagement: können die allgemeinen Ziele einer Wundbehandlung aufzählen und wissen, welche systemischen und lokalen Störfaktoren die Wundheilung negativ beeinflussen können
Ziele in der Wundbehandlung
* Förderung der Wundheilung
* Vermeidung von Infektionen
* Schmerzlinderung
* Verhinderung von Komplikationen
* Förderung von Mobilität und Lebensqualität
* Schulung und Aufklärung
Störfaktoren der Wundheilung
*Systemische Störfaktoren *
* Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, chronisch-venöse Insuffizienz, arterielle Durchblutungsstörungen
* Hohes Alter
* Stress
* Rauchen
* Bewegungsmangel
* Schlechte oder mangelhafte Ernährung
* Medikamente
* Immunschwäche
* Systemische Infektionen
* Schmerzen
* Psychische Belastungen
*Lokale Störfaktoren *
* Keime oder Fremdkörper
* Schorfbildung
* Hypergranulation oder Nekrosen
* Ödeme
* Hämatome
* Wund- und Nahtdehiszenz
* Druck, Reibung, unzureichende Ruhigstellung
* Austrocknung oder Auskühlung der Wunde
* Bereits vorgeschädigtes Gewebe
* Ungünstige Lokalisation
* Gespannte Wundränder
Wissen, was bei einem Wundassessment allgemein zu erfassen ist und können das „Time-Modell“ beschreiben
Wundassessment; zu erfassen sind
* Wunddiagnose
* Lokalisation
* Zeitlicher Verlauf / Rezidive?
* Größe
* Tiefe
* Wundgrund
* Geruch
* Wundrand
* Exsudat
* Wundumgebung
* Entzündungszeichen
* Schmerzen
Merke: bevor eine Wunde beurteilt werden kann, ist sie zu reinigen
Wundassessment-Modell -> TIME-Modell
=ein strukturiertes Beurteilungstool, welches sich auf 4 Hauptaspekte konzentriert
1. T (Tissue Management): Beurteilung des Gewebes; z.B. nekrotisches Gewebe, Granulationsgewebe
2. I (Infection Control): Beurteilung von Infektionen
3. M (Moisture Balance): Beurteilung der Feuchtigkeitsbalance der Wunde
4. E (Edge of the wound): Beurteilung der Wundränder und deren Heilungsverlauf
Kennen das Ziel der Wundreinigung bzw. Wundspülung und können verschiedene Wundspüllösungen und deren Anwendung nennen
Wundreinigung
* Dient der Entfernung von Verschmutzungen, Belägen, avitalem und die Wundheilung behinderndem Gewebe, Fremdkörpern, Exsudatresten, sowie Keimen von der Wundoberfläche (erfolgt durch Wischen oder Spülen mit geeignetem Material)
Wundspüllösungen
* Lösungen sollten steril, physiologisch, nicht resorbierbar, farblos, reizlos, nicht ätzend, erwärmbar und atraumatisch sein
* Beispiele: Ringerlösung, NaCl 0,9%, Prontosan, Octenilin, ActiMaris
* Antiseptisch sind z.B. Octenisept und PVP-Jod-Präparate wie Betaisodona
Merkpunkte Wundreinigung bzw. - -spülung
* Nicht infizierte Wunden mit Ringer, NaCl
* Infizierte Wunden mit Antiseptika
* Vorher ist eine ausreichende Analgesierung sicherzustellen
* Spüllösungen sollen körperwarm sein (evtl. anwärmen)
* Jeweilige Einwirkzeiten beachten
Wissen, was ein Debridement ist und können gängige Debridementformen aufzählen bzw. kurz beschreiben
Wundreinigung / Debridement
* Radikale Abtragung von avitalem Gewebe, Belägen und Fremdkörpern bis in intakte anatomische Strukturen
* Wird v.a. bei der Behandlung offener und septischer Wunden sowie bei Verbrennungen angewendet
* Ziel: die Durchblutung im Wundbereich zu verbessern und einen Wundheilungsreiz zu setzen
Debridement Formen
Mechanisches Debridement
Auswischen der Wunde mit sterilen Tupfern und geeigneten Lösungen oder Reinigungspads
Chirurgisches Debridement
Mit Skalpell und Pinzette, Ringkürette
Autolytisches Debridement
Durch Zuführung von Flüssigkeit mit speziellen Auflagen (Hydrogele, Alginate, Hydrofaser)
Enzymatisches Debridement
Mithilfe von biosynthetisch hergestellten proteolytischen (eiweißabbauenden) Enzymen, die selektiv Beläge auflösen können z.B. Iruxol, Santyl
Biochirurgisches Debridement
Sterile, speziell gezüchtet Fliegenlarven entfernen abgestorbenes Gewebe
Kennen die Anforderungen an moderne Wundauflagen
Anforderungen an moderne Wundauflagen
* Halten Wunden warm und feucht
* Schützen vor Sekundärinfektionen
* Verhindern Wärmeverluste
* Absorbieren überschüssiges Wundexsudat
* Ermöglichen den Gasaustausch
* Sollen keine Fasern / Fremdstoffe abgeben
* Unterstützen atraumatische VWs und sind wirtschaftlich