ACG-Sprengung
(Akromioklavikulargelenk-Sprengung)
Definition
eine traumatische Verletzung des Akromioklavikulargelenks - der Verbindung zwischen Klavikula (Schlüsselbein) und Akromion (Schulterblattfortsatz). Je nach Schweregrad kommt es zur Zerreißung der stabilisierenden Bänder mit konsekutiver Dislokation der Klavikula nach kranial. Sie ist eine der häufigsten Schulterverletzungen, v. a. bei jungen, sportlich aktiven Männern.
ACG
Anatomische Grundlage
Das ACG wird stabilisiert durch:
• Ligamentum acromioclaviculare (ACG-
Band) - horizontale Stabilität
• Ligamentum coracoclaviculare (CC-
Band: Lig. conoideum + Lig. trapezoideum) - vertikale Stabilität
• Gelenkkapsel, Discus articularis, Muskulatur
(Trapezius, Deltoideus)
ACG
Einteilung
Nach Rockwood (Goldstandard, 6
Typen):
1. ACG-Band
Distorsion , CC-Band intakt
2. ACG-Band rupturiert, CC-Band intakt: Leichte
Hochstand
Klavikula
(< 25% CC-Abstand)
3. ACG-+
CC-Band rupturiert
4. Klavikula nach dorsal disloziert
ACG
Ursachen
• Direktes Trauma: Sturz auf die Schulter (häufigste Ursache) - Kraft wirkt von kranial auf das Akromion
• Indirektes Trauma: Sturz auf den ausgestreckten Arm oder Ellenbogen
• Typische Situationen:
• Fahrradsturz, Motorradunfall
• Kontaktsport (Fußball, Rugby, Eishockey, Kampfsport)
• Reitunfall
• Arbeitsunfall
ACG
Symptome
• Schmerzen am Schultereckgelenk, besonders bei Bewegung und Druck
• Sichtbare Vorwölbung der Klavikula (Hochstand) - „Klaviertastenphänomen”
• Klaviertastenzeichen: Klavikula lässt sich nach kaudal drücken, federt zurück
• Schwellung und Hämatom über dem ACG
• Druckschmerz direkt über dem
Schultereckgelenk
• Bewegungseinschränkung, v. a.
Abduktion und Anteversion
• Bei schweren Verletzungen (Typ IV-VI): ausgeprägte Schulterdeformität, starke Funktionseinschränkung
ACG
Bildgebung:
Röntgen a.p. (beide Schultern im Vergleich)
Röntgen mit Belastung (10 kg)
MRT,CT, Sonographie
ACG
Therapie
Konservativ
Armschlinge (z. B. Gilchrist-Verband) für 1-
2 Wochen zur Schmerzreduktion
-NSAR (Ibuprofen, Diclofenac)
• Kühlung in der Akutphase
• Physiotherapie ab Schmerzfreiheit:
Kräftigung Rotatorenmanschette, Skapulastabilisierung
• Sportfähigkeit nach ca. 6-12 Wochen
Definition
Schulter Luxation
ist die häufigste Gelenkluxation des Körpers und bezeichnet die vollständige Dislokation des Humeruskopfes aus der Glenoidpfanne. Die Schulter ist aufgrund ihres großen Bewegungsumfangs besonders anfällig für Instabilität.
Schulterluxation
Einteilung:
In ~95% anteriore Luxation (subkorakoidal), selten posterior (cave: häufig übersehen!) oder inferior (Luxatio erecta).
Unterscheidung zudem nach TUBS (traumatisch, unidirektional) vs. AMBRI (atraumatisch, multidirektional).
Schulterluxation
Ursache
Meist indirektes Trauma - Sturz auf den abduzierten, außenrotierten Arm. Posteriore Luxation typisch bei Elektrounfall oder epileptischem Anfall.
Schulterluxation
symptome:
Starke Schmerzen, eckige Schulterkontur (Epauletten-Zeichen), federnde Fixation, tastbare leere Pfanne. Cave: obligater neurovaskulärer Status (N. axillaris, A. axillaris)!
Schulter Luxation
Begleitverletzungen:
Begleitverletzungen: Bankart-Läsion
(Labrumausriss), Hill-Sachs-Läsion
(Humeruskopfimpression),
Rotatorenmanschettenruptur (v. a. > 40 Jahre), N.
axillaris-Läsion.
Schulter Luxation
Diagnose:
Diagnose: Röntgen in 2 Ebenen vor und nach Reposition; MRT/CT zur Beurteilung von Labrum, Knorpel und Knochen.
Schulter Luxation
Therapie
Therapie: Sofortige Reposition (Stimson, Kocher, Cunningham) unter Analgesie, dann Ruhigstellung 1-3 Wochen + Physiotherapie. Operativ (arthroskopische Bankart-Repair, Latarjet) bei Rezidivinstabilität oder knöchernem Defekt.
Rezidivrisiko: Unter 20 Jahren bis zu 90 % - daher bei jungen Patienten großzügige OP-Indikation.